Nochmals zum Mitschreiben: Erstochen „Ja“, abgehackte Füße „Nein“!

Kritischer Journalismus geht fürwahr anders! In welcher Welt leben wir eigentlich, wenn eine Berichterstattung über Ereignisse mit derart dramatischen Auswirkungen sich nicht ausschließlich auf Fakten stützt. Krasses Beispiel ist das neuerliche Tötungsdelikt in Bad Kreuznach. Die Polizei bestätigte heute nochmals, dass dem 41-jährigen Opfer aus Bulgarien die Füße eben nicht abgehackt worden sind. FÜßE DRAN!  Muss die erst Live-Bilder von der heutigen Leichenschau veröffentlichen, damit alle Zweifler und Andersdenkende endlich Ruhe geben? Im Netz kursierten die wildesten Darstellungen, untermalt mit Aufnahmen, die allerdings nachweislich täuschen. Als ehemaliger Polizist und deswegen noch immer recht gut informierter und vernetzter Beobachter, weiß ich um die Glaubwürdigkeit sowie Seriosität der Pressemeldungen aus den Präsidien. Und ich weiß daher auch, dass keine Gliedmaßen abgehackt worden sind. Vertuschen geht gar nicht, weil die Wahrheit letztlich immer ans Licht kommt.

Vor allem dann, wenn so viele Menschen, etwa Rettungskräfte, Polizisten, Ärzte oder Schwestern, in den Einsatz eingebunden waren. Und die Polizei hat sich ja in einer Pressemitteilung nochmals selbst erklärt. Tatsache ist allerdings, dass der mutmaßliche Täter, der wohl mit dem Messer zugestochen hat, nicht in Haft gegangen ist. Der ist auf freiem Fuß ist. Er wurde zwar erkennungsdienstlich behandelt, aber danach nicht in Haft genommen. Dass offenbar keine Haftgründe vorlagen, lass ich an dieser Stelle mal unkommentiert. Offenbar ist es nicht klar, ob es sich nicht auch um Notwehr gehandelt haben könnte. Hätte der die Füße abgehackt, dann hätte jeder Richter die sofortige U-Haft angeordnet. Alleine der Fakt ist ein Beleg dafür, dass kein Fuß-Massaker im Blutrausch an einer auf dem Boden liegenden hilflosen Person stattgefunden hat.

Wahr ist, die Auseinandersetzung in Ablauf und Folge ist eine Tragödie. Ein Mensch kam ums Leben. Wahr ist aber auch, dass unseriöse Berichterstatter, allen voran das Portal www.reitschuster.de über diese Tat reißerisch aus der Hüfte berichteten. Der Autor fungiert somit als geistiger Brandstifter. Er und andere werfen der Polizei Lügentaktik vor. Starker Tobak! Was sind das für Zeiten, wenn man den Beamten so wenig Vertrauen entgegenbringt, sie nicht einmal zu den schrecklichen Bildern befragt. Reitschuster hat nicht zum Hörer gegriffen, sondern ganz bewusst seine eigenen Rückschlüsse gezogen. Unterstellt, hat der kein Interesse an der Wahrheit. Obwohl seine Äußerungen von offizieller Seite nochmals widerlegt worden sind und sich auch ein Augenzeuge bei ihm meldete – um ihm konkret in diesem Fall seine Falschmeldungen vorzuwerfen – wird der sich vermutlich nicht korrigieren. Und auch andere Restzweifler werden auf ihre Version einer bewussten Vertuschung beharren. Menschen, die Polizei und Presse in einen Topf werfen und methodisch der Lüge bezichtigen, gibt es bekanntlich zu Genüge.

Zugegeben, die Bilder zeigen tatsächlich den in einer Blutlache liegenden Mann und Rettungskräfte drumherum. Das Bild erweckt den Eindruck, dass an einem Bein der Fuß nicht mehr dran ist. Was mutmaßlich wie ein blutiger Beinstumpf aussieht ist aber keiner. Warum fragten der Öffentliche Anzeiger und auch das Reitschuster-Portal nicht vorher mal bei der Polizeiführung nach, bevor sie solche Horrorszenarien unter das Volk streuten, wohlwissend, dass der Aufschrei bei den Lesern immens sein wird. Barbarisches Füße abhacken war aber nicht! Solche Meldungen lassen sich hinterher immer schwer einfangen. Sie sind geeignet Stimmung zu erzeugen. Nochmals, das verstorbene Opfer hat noch beide Füße. Bilder können täuschen, vor allem dann, wenn die beim zoomen Unschärfe zeigen. Umso gebotener erscheint es, sich vorher rückzuversichern. Das ist leider nicht bei allen Medien der Fall gewesen.   

Eine Antwort auf „Nochmals zum Mitschreiben: Erstochen „Ja“, abgehackte Füße „Nein“!“

  1. Kritischer Journalismus geht fürwahr anders! In welcher Welt leben wir eigentlich, wenn eine Berichterstattung über Ereignisse mit derart dramatischen Auswirkungen sich nicht ausschließlich auf Fakten stütz
    Im Fall der Berliner „Klima-Kleber“ wurde in unserer Zeitung kein einziges Wort verwendet, dass die Klebeaktion im Vorfeld polizeilich angemeldet war – und – auf notwendige Umleitungsmaßnahmen hingewiesen hat . Darüberhinaus wurden in dem Zeitungsartikel keinerlei
    Informationen über Tatort und Entfernung zum Klebepunkt ( an einem Brückengeländer !!??) gemacht. So musste für den Leser zwangsläufig der Eindruck entstehen , dass die „Kleber“ in unmittelbarer Nähe des Unfalles die Straße blockiert haben. Wie weit die Brücke mit dem Geländer vom Unfallort entfernt war — erfährt man als Leser nicht. Jedenfalls nicht aus dem Bericht und dem Kommentar des „Öffentlichen“. Für mich ein Fall von rechter Stimmungsmache. Die Tatsache des Unglücks und den Folgen ist an sich natürlich schlimm und hätte so nicht sein dürfen.

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