Schallende Ohrfeige für den Öffentlichen Anzeiger! Zeit dem Blatt den Spiegel vorzuhalten!

Wahre Größe geht anders. Statt in sich zu gehen und einen gravierenden Fehler in der Berichterstattung über das Messermassaker wenigstens einzuräumen, geht das Blatt nur in die Offensive. Wer hat denn die schrecklichen Szenarien mit den zwei abgehackten Füßen als erstes Medium auf seine Seite gehoben? Wer hat’s also erfunden? Richtig, der Öffentliche Anzeiger! Nur aufgrund dieses kurzen Zeitfensters, in der die Falschmeldung auf dem Online-Portal der Tageszeitung angeklickt werden konnte, wurde auch der harte Kern von Verschwörungsgesellen, wie etwa dieser „Reitschuster“, auf die Geschehnisse aufmerksam. Aufbauend auf die Ursprungszeilen konnte der in seinem Sinne die Legende weiterspinnen.

Der hat sich mittlerweile sogar entschuldigt. Aber nur halbherzig, weil er im nächsten Absatz die Polizei wegen Vertuschung unter Generalverdacht stellte. Der Öffentliche hingegen eiert nur rum. Finde den Fehler? Wie war das nochmal mit Ursache und Wirkung? Fakt ist, der Öffentliche alleine hat die Ursache für alles was an Hass und Hetze danach kam gesetzt. Der hat ins Klo gegriffen und voreilig unbestätigte Schlagzeilen produziert. Sich jetzt auf Augenzeugen zu stützen, die ja alles gesehen hätten, ist unseriös und noch dazu scheinheilig. Den Schuh muss man sich selbst anziehen. Wie überhaupt man in keiner Silbe innerhalb des Artikels unter der Überschrift „Schockierende Tat in Bad Kreuznach: 41-jährigem wurden die Füße abgetrennt“ Zeugen erwähnte.

Jeder Leser musste den Eindruck gewinnen, dass der Öffentliche Anzeiger sich von seriösen Quellen bediente. Hat der aber nicht getan. Was für ein Bock! Unterstellt, wegen der schnellen Klicks und dem Gefühl der Erstmeldung, hat man sich eben nicht bei den Ermittlungsbehörden rückversichert. Ein absolutes No-Go für eine Tageszeitung mit Format. Und das fiel den Redakteuren kurze Zeit später schon auf die Füße. Unverständlich, warum man seine Hände jetzt derart in Unschuld wäscht. Mehr noch: Im heutigen Kommentar prangert eben der „unruhestiftende“ Redakteur, Stefan Munzlinger, „Brüllaktionen und verworrene Verschwörungsspekulationen“ im Netz an, nimmt sich selbst aber völlig raus, wäscht seine Hände aber sowas von in Unschuld. Geht’s noch? Dass er selbst mitmischte, er den ersten Domino-Stein umwarf und alleine dadurch die Emotionen so hochkochten – geschenkt? So geht das nicht! Guter Journalismus geht anders.

Der Kerle ist zwar Profi, hatte aber einfach zu flinke Finger an der Tastatur. Dafür gehört er geohrfeigt. Kann passieren, darf aber in einem Fall der so bundesweite Aufmerksamkeit erfuhr nicht passieren. Der hat den Pfad der Rechtschaffenheit verlassen und dadurch erst die Steilvorlage mit seinem Bericht gegeben. War dieVerlockung zu groß? Die Hasstiraden und Diskussionen im Netz hatte er dann ja wohl eingepreist. Die komplette Redaktion dahinter sollte unbedingt in sich gehen und nacharbeiten sowie ihren moralischen Kompass nachschärfen. „Schauen wir in Ruhe hin“ – schreibt die. Hätte man das mal lieber getan. „Inszenierungen überlasse man anderen!“ „Wir wollen nicht voreilig urteilen!“ Hä? Der Öffentliche hat gegen alle seine im Kommentar geschilderten guten Grundsätze verstoßen und mimt jetzt das Unschuldslamm, zeigt mit den Fingern nur auf andere. Die Wahrheit liegt nun einmal auf dem Platz, Herr Munzlinger. Die fast schon eigene Heiligsprechung in ihrem Kommentar ist nur peinlich. Ehrlich, Ihre Zeitung braucht es nicht. Jedenfalls nicht so!

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