VG Kirner Land: „Stell Dir vor, es ist Betriebsausflug, und keiner geht hin“!

Alle Jahre wieder! Letzte Woche Freitag hatte die Verbandsgemeinde Kirner Land zum Betriebsausflug ins Freilichtmuseum mit anschließender Planwagenfahrt und Weinprobe eingeladen. Und? Für manche sind solche Zusammenkünfte lästige Pflicht­ver­an­staltungen, andere freuen sich wie Bolle darauf: Es kommt auf die Perspektive an. Wenn es um den Betriebs­ausflug geht, gehen die Meinungen, auch und vor allem in der Öffentlichkeit, meist ausein­ander. Sie wissen schon, wegen Lahmlegen der Verwaltung für einen Tag und so. Wahr ist, Betriebsausflüge zählen zur Arbeitszeit. Geschenkte Stunden also. Wahr ist aber auch, und da sprechen die Zahlen für sich, von 200 Mitarbeitenden unter dem Dach der gesamten Kirner Verwaltung, samt Anhängsel aus den Filialen, waren letztendlich nur schwache 50 Personen mit von der Partie. Das ist gerade einmal ein Viertel der Belegschaft. Ein Desaster! Finde den Fehler? Was stimmt atmosphärisch nicht in der Kirner Verwaltung, wenn derart viele Mitarbeiter lieber Urlaub nehmen oder einsam arbeiten gehen, statt auf Arbeitgeberkosten einen lockeren Ausflug in die Umgebung zu buchen? Die Stimmung untereinander scheint fürwahr nicht überschwänglich zu sein. Keine Selfies von unterwegs, nix! Keine Bilder danach oder Erwähnung auf der VG-Internetseite.

Grundsätzlich gilt, fällt der Ausflug in die Arbeitszeit, kann der Chef grundsätzlich anordnen, dass alle Mitar­beiter teilnehmen. Natürlich besteht dennoch keine strikte Teilnah­me­pflicht für jede Art von Betriebs­ausflug. Die wenigen Fernbleiben-Hintertürchen wurden offenbar reichlich genutzt. Dabei ist die Veranstaltung durchaus sinnvoll und nachvollziehbar weil sie das soziale Netzwerk und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt. Nach der Zwangs-Fusion, sicherlich nicht die schlechteste Maßnahme. Und aus Sicht von Bürgermeistern hier und anderswo, sind solche Tage zudem ein Dankeschön an die Belegschaft. Ist die Kirner Belegschaft eine undankbare Belegschaft? Angesichts der miesen Teilnehmerquote ist die Frage durchaus berechtigt. „Lucky TJ“ wird sich sicherlich so seine Gedanken machen, sich selbst Hinterfragen und auf Ursachensuche gehen. Muss der auch! Er hat ein Angebot unterbreitet, das man nicht ablehnen kann und dann die Watsch’n! Sollte sich auch zukünftig stets nur ein harter Kern an einem geschenkten Vergügen beteiligen wollen, dann ist ein Festhalten an einer guten alten Tradition zumindest bedenkenswert.    

Wenn man dann noch bedenkt, dass rein betriebswirtschaftlich gerechnet, die Kosten für solche Touren stets durch die Decke gehen – auweia. Laut gedacht, die Verwaltung schenkt jedem Mitarbeitenden einen Tag. Legt man den untere Mittelwert zugrunde, dann dürfte sich die Verwaltung das Vergnügen rund 140 Euro pro Person (7 Stunden) kosten lassen. Mal 200 wären das satte 28 000 Euro – eher mehr. Theoretisch natürlich. Bei 50 Teilnehmern waren das immerhin noch 7000 Euro. Alles ohne Gewähr natürlich. Ein hübsches Sümmchen, welches natürlich nur sinnbildlich aufschlägt. Im Arbeitsalltag einer Verwaltung gehen die Kosten natürlich unter.  

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